Wie du Wortschatz für IELTS und TOEFL aufbaust
Die Vorbereitung auf IELTS oder TOEFL beginnt bei fast allen gleich: Man lädt sich eine Liste mit fünftausend Wörtern herunter und fängt an zu lernen. Zwei Wochen später ist man bei Wort 300, ist erschöpft, und im Probetest kann man immer noch kein Diagramm beschreiben und kommt im Speaking ins Stocken. Das Problem ist weder Faulheit noch die Größe der Liste. Eine Prüfung verlangt keinen Wortschatz im Allgemeinen, sondern einen ganz bestimmten.
Wie viele Wörter man wirklich braucht
Um sich in einer Prüfung auf B2- bis C1-Niveau sicher zu fühlen, spricht man meist von etwa 5000–8000 Wörtern, die man beim Lesen und Hören wiedererkennt. Das ist aber der passive Wortschatz, und der wächst über Jahre des Lesens und Schauens. Die Prüfung misst etwas anderes: das, was man in 40 Minuten Schreiben und 14 Minuten Sprechen aus dem Kopf holen kann. Der aktive Wortschatz ist immer um ein Vielfaches kleiner als der passive — und genau mit ihm arbeitet man in der Vorbereitung.
Wer die Zahlen und die Logik dahinter genauer will, findet das in unserem Text dazu, wie viele Wörter man braucht, um Englisch zu sprechen. Für die Prüfung lautet die kurze Antwort: Ein paar hundert präzise ausgewählte Wörter bringen deutlich schneller Punkte als ein paar tausend zufällige.
Welche Wörter als Prüfungswortschatz gelten
Der Wortschatz für IELTS und TOEFL besteht aus drei Schichten, und jede lernt man anders.
Die erste Schicht ist der allgemeine akademische Wortschatz. Das sind Wörter, die in wissenschaftlichen und akademischen Texten unabhängig vom Fach vorkommen: significant, approach, evidence, assume, constitute, derive. Für diese Schicht gibt es eine fertige Liste — die Academic Word List, die im Jahr 2000 von der neuseeländischen Forscherin Averil Coxhead zusammengestellt wurde. Sie enthält 570 Wortfamilien und deckt rund ein Zehntel aller Wörter in akademischen Texten ab. Das ist der beste verfügbare Einstieg: Die Liste ist kurz, endlich und trifft genau das, was die Prüfer bewerten.
Die zweite Schicht ist thematisch. Die Themen der Essays und von Speaking Part 3 wiederholen sich Jahr für Jahr: Bildung, Umwelt, Technologie, Gesundheit, Stadt und Verkehr, Arbeit, Kriminalität. Pro Thema braucht man 20–30 Wörter und Wendungen, um nicht alles mit good und bad beschreiben zu müssen. Für Umwelt sind das emissions, renewable, landfill, carbon footprint; für Bildung curriculum, tuition fees, vocational training, drop out.
Die dritte Schicht ist funktional. Wörter, mit denen man nicht die Welt beschreibt, sondern die eigene Rede steuert: wie man ein Beispiel einleitet, wie man widerspricht, wie man Anstieg und Rückgang in einem Diagramm beschreibt, wie man eine Aussage abschwächt. Whereas, albeit, tend to, a marginal increase, peak at, level off. Diese Schicht ist die kleinste — und die lohnendste, weil man sie buchstäblich in jeder Antwort braucht.
Worin sich der Wortschatz von IELTS und TOEFL unterscheidet
Die Listen überschneiden sich zu etwa achtzig Prozent, aber die Schwerpunkte sind andere, und die Vorbereitung sollte man entsprechend verschieben.
| Aufgabe | Was sie lexikalisch verlangt |
|---|---|
| IELTS Writing Task 1 | Sprache zur Beschreibung von Daten: fluctuate, plateau, a sharp decline, account for 40%, respectively |
| IELTS Speaking | Gesprächswendungen und wertender Wortschatz, aber kein Slang: I'd say, to be honest, it depends on |
| TOEFL Integrated Writing | Verben zur Wiedergabe fremder Positionen: the lecturer refutes, casts doubt on, the reading claims |
| TOEFL Listening | Unialltag und Vorlesungen: syllabus, office hours, teaching assistant, enrol, deadline extension |
Wer die Prüfung noch nicht gewählt hat, beginnt mit der akademischen Schicht — die wird für beide gleichermaßen gebraucht. Das Spezifische kommt einen Monat vor dem Termin dazu.
Der Hauptfehler: Synonyme in Spalten lernen
Der beliebteste Ratschlag im Netz lautet, einfache Wörter durch komplizierte zu ersetzen. So entstehen Sätze wie The utilisation of bicycles engenders substantial ameliorations in urban conditions. Der Prüfer sieht darin keinen reichen Wortschatz, sondern jemanden, der Wörter aus dem Thesaurus eingesetzt hat, ohne ihre Kombinierbarkeit zu kennen.
In den Bewertungskriterien steht es ausdrücklich: Für ungenaue Wortverwendung gibt es Abzüge. Ein richtig eingesetztes crucial ist mehr wert als drei seltene Wörter an der falschen Stelle.
Deshalb lernt man ein Wort nicht allein, sondern zusammen mit dem, womit es gewöhnlich auftritt. Im Englischen heißt das collocations. Make a decision, aber take a risk. Heavy traffic, aber strong evidence. Play a crucial role in something. Solche Verbindungen prägt man sich als ein Stück ein und holt sie später als Ganzes wieder hervor — und genau das braucht man, wenn man im Speaking eine Sekunde zum Nachdenken hat.
Die zweite Regel: in Familien lernen. Die meisten akademischen Wörter haben vier bis fünf Formen, und beim Schreiben braucht man selten die, die man gelernt hat. Analyse — analysis — analytical — analyst. Sustain — sustainable — sustainability — sustainably. Die ganze Familie zu lernen kostet eine Minute mehr als ein einzelnes Wort und deckt viermal so viele Situationen ab.
Wiederholungen im Takt des Prüfungstermins
Die Prüfungsvorbereitung hat eine Eigenheit, die das normale Sprachenlernen nicht kennt: eine harte Deadline. Die Wörter müssen also nicht nur gelernt, sondern bis zu dem Zustand gebracht werden, in dem sie von selbst auftauchen — und bis zum Testtag dort gehalten werden.
Dafür funktioniert Spaced Repetition: Ein Wort erscheint genau dann wieder, wenn man kurz davor ist, es zu vergessen. Die Mechanik haben wir ausführlich im Text über Spaced Repetition beschrieben; für die Prüfung zählt ein Detail: Zwei Wochen vor dem Termin sollte man die Intervalle stauchen, damit der ganze aktive Kern häufiger durchläuft.
Ein grober Zehn-Wochen-Plan:
| Wochen | Was wir machen | Neue Wörter pro Tag |
|---|---|---|
| 1–4 | Academic Word List, nach Wortfamilien | 10–12 |
| 5–7 | Thematischer Wortschatz zu den acht häufigsten Themen | 8–10 |
| 8–9 | Funktionale Schicht: Diagrammbeschreibung, Konnektoren, Abschwächungen | 5–6 |
| 10 | Nur Wiederholung, keine neuen Wörter | 0 |
Zehn Wörter pro Tag wirken lächerlich neben einer Liste mit fünftausend. Aber zehn Wörter, gelernt samt Kombinierbarkeit und nach Plan wiederholt, ergeben nach zehn Wochen rund 600 Wörter, die man tatsächlich benutzt. Die Fünftausenderliste ergibt nach zehn Wochen meistens null.
Wie das in VibeLing aussieht
Dieses ganze Schema im Heft zu führen, ist mühsam: viele Wörter, jedes mit eigenem Wiederholungsdatum, und die halbe Zeit geht für Buchhaltung statt fürs Lernen drauf. In VibeLing passiert das von selbst.
Ein Wort landet in ein paar Sekunden im persönlichen Wörterbuch — aus einem Artikel, den man gerade liest, aus einem TED-Vortrag, aus der Auswertung eines Probetests. Die App holt Übersetzung, Verwendungsbeispiele und Aussprache dazu, sodass Verbindungen wie make a decision sofort sichtbar sind, statt separat nachgeschlagen werden zu müssen. Danach lassen sich die Wörter in Sammlungen aufteilen: der akademische Kern getrennt, Umwelt getrennt, die Sprache der Diagramme getrennt — und man trainiert den Block, der laut Plan gerade dran ist.
Die Wiederholungen setzt die App selbst an, nach einem Spaced-Repetition-Algorithmus, und lässt Gelerntes nicht einen Monat vor der Prüfung still aus dem Kopf fallen. Das laute Aussprachetraining zahlt sich zusätzlich aus: Im Speaking muss ein Wort nicht nur einfallen, sondern auch über die Lippen kommen.
Kurz gefasst
- Jagen Sie nicht fünftausend Wörtern hinterher. Nehmen Sie die Academic Word List, acht häufige Themen und die funktionalen Konnektoren — das reicht für eine hohe Punktzahl.
- Lernen Sie ein Wort mit seinen Verbindungen und der ganzen Formenfamilie, nicht als Spalte mit Übersetzung.
- Planen Sie Wiederholungen fest ein und stauchen Sie die Intervalle zum Prüfungstermin hin.
- Zehn Wörter pro Tag mit Wiederholungen schlagen jeden Listen-Marathon.
Wenn bis zur Prüfung noch ein paar Monate bleiben, fangen Sie heute mit zehn Wörtern aus der akademischen Liste an. Sammeln Sie sie in der App, schalten Sie die Wiederholungen ein — und zum Termin haben Sie einen Wortschatz, den Sie wirklich abrufen können, statt einer Liste, durch die Sie irgendwann geblättert haben.